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Agora - Die Säulen des Himmels

Originaltitel:Agora
Premiere im Jahr:2010
Regie:Alejandro Amenábar
Handlung spielt im Jahr:415 nach Christus
Darsteller:Rachel Weisz ... Hypatia, eine Professorin in Alexandria

Max Minghella ... Davus, ihr Sklave

Michael Lonsdale ... Theon, ihr Vater, Professor in Alexandria

Rupert Evans ... Synesios, ihr Student, später Bischof von Kyrene

Oscar Isaac ... Orestes, ihr Student, später Präfekt

Sami Samir ... Kyrill, Bischof von Alexandria

Richard Durden ... Olympius

Manuel Cauchi ... Theophilos, Onkel und Vorgänger von Kyrill

Homayoun Ershadi ... Aspasius

Stand:09.05.2010
Crew:Drehbuch ... Alejandro Amenábar, Mateo Gil

Produzenten ... Álvaro Augustín, Fernando Bovaira

Kamera (Cinematography) ... Xavi Giménez

Schnitt (Film Editing) ... Nacho Ruiz Capillas

Art Direction ... Guy Dyas

Kostüme ... Gabriella Pescucci

Musik ... Dario Marianelli

Außenaufnahmen ... Malta

Filmgesellschaft:Mod Producciones
Himenóptero
Telecinco Cinema
Canalplus España
Land:Spanien
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Bewertung:
Max. 5 Sterne
- unbedingt ansehen!

 

Monumentalfilm, 130 Minuten

Premiere: Filmfestspiele Cannes 2009
deutsche Kinopremiere: 11. März 2010


www.agora-derfilm.de





Kurzinhalt:

Alexandria, 391 nach Christus: Hypatia ist eine angesehene Professorin an der Großen Bibliothek. Leider lebt sie in der falschen Epoche für Gelehrsamkeit, denn in blutigen Straßenschlachten kämpfen die Christen gegen die Anhänger der antiken Götter um die geistige und politische Vorherrschaft.
Waren früher die Wissenschaftler und ein Klima geistiger Toleranz in Alexandria tonangebend - so sind es nun engstirnige religiöse Führer, die die Macht an sich reißen.

Während sich also das Römische Reich und die antike Hochkultur langsam auflösen, gelingt Hypatia in der Abgeschiedenheit ihres Hauses der ganz große Wurf: Durch die zahlreichen Widersprüche in den Weltbildern anderer Wissenschaftler angeregt, kommt sie auf die Idee, dass die Planeten erstens nicht in regelmäßigen Kreisen um die Sonne ziehen, sondern in elliptischen Bahnen, und dass zweitens sich die Erde um die eigene Achse dreht und drittens auch noch um die Sonne.
Revolutionäre Gedanken, die ihrer Zeit mindestens 1600 Jahre voraus sind - und in den damaligen politischen und religiösen Wirren auch sofort wieder verschwinden.




Kritik:

Dank modernster Computer-Technik hat der Film einen erstklassigen Look, wie z.B. monumentale Kulissen und beeindruckende Massenszenen.
Es zeugt von Mut, einen derart aufwändigen Film über einen so wenig bekannten Zeitabschnitt der Spätantike zu drehen - und den Akzent dann auch noch nicht auf Liebe und Abenteuer zu legen, sondern auf Religion und Wissenschaft.
Natürlich ist nicht alles gut, aber im Ganzen bietet der Film zwei Stunden gute Unterhaltung mit einer anspruchsvollen Handlung, guten Schauspielern und schönen Bildern.




Fakten zum Film:

* Rachel Weisz' bekanntester Film ist Die Mumie (1999).

* Michael Lonsdales bekannteste Rollen sind der Bösewicht in dem James-Bond-Film Moonraker (1979) und der Abt in Der Name der Rose (1986).

* Regisseur Amenábar erhielt für Das Meer in mir (2004) einen Oscar.

* In zahlreichen Zeitungen erschien der Comic Angora - die Knäuel des Himmels (von Niels Kolditz), in der Hypatia der geheimen Formel für superweiche Schmusewolle auf der Spur ist. In dieser Parodie war das o in Form eines Wollknäuels gestaltet (auf dem Kino-Plakat in Form des Mondes).





Historische Fakten:

* Agora ist das griechische Wort für "Marktplatz". Vergleichbar mit dem römischen Wort Forum bezieht sich Agora auch im übertragenen Sinne auf öffentliche Vorgänge und das politische Leben. Das Wort Agoraphobie bezeichnet die Furcht vor großen Plätzen (im Gegensatz zu Klaustrophobie).

* Hypatia hat tatsächlich gelebt - und war auch in Wirklichkeit eine Ausnahme-Erscheinung, die studiert hatte, selbst unterrichtete und wissenschaftliche Bücher schrieb (was Frauen damals allgemein nicht taten, obwohl es ihnen auch nicht direkt verboten war). Ob sie das Sonnensystem wirklich schon so richtig beschrieben hat, wie im Film gezeigt, kann nicht mehr überprüft werden, weil sich keine Schriften von ihr erhalten haben - es ist aber naheliegend. Im Jahre 415 wurde der christliche Pöbel durch eine Predigt zum Mord an Hypatia angestiftet (wie im Film, allerdings wurde die Predigt in Wirklichkeit nicht von Kyrill gehalten). Hypatia war zu diesem Zeitpunkt etwa 60 Jahre alt (und nicht mehr so jung wie im Film).

* Theon war (wie im Film) ihr Vater und ein berühmter Mathematiker. Er ist der letzte Wissenschaftler der Bibliothek, den wir namentlich kennen.

* Synesios war (wie im Film) ein Student der Hypatia und ein Christ. Anders als im Film wurde er erst am Ende seines Lebens Bischof und war wohl auch kein Christ mit Leib und Seele: Er machte vielmehr einen Unterschied zwischen gebildeten und ungebildeten Menschen als zwischen Christen und Heiden. Er verließ Alexandria nach seiner Ausbildung und kehrte (anders als im Film) nie mehr zurück. Von Synesios haben sich über 150 Briefe erhalten (darunter auch zahlreiche an Hypatia), weswegen sein Leben heute als gut erforscht gilt.

* Orestes war zur fraglichen Zeit tatsächlich Präfekt von Ägypten. Ob er auch ein Student der Hypatia war (wie im Film), ist nicht belegt - es stimmt aber, dass er ein Gegner von Kyrill war.

* Kyrill war (wie im Film) Bischof von Alexandria und damals schon umstritten, da er einerseits als großer christlicher Vordenker viele Grundlagen für die moderne Kirche legte - andererseits aber auch als skrupelloser und machtbewusster Politiker auftrat.

* Unter Kaiser Theodosius wurde der Katholizismus de facto zur Staatsreligion - allerdings wurden heidnische Kulte nach wie vor geduldet und ihre Tempel nicht geschlossen: Wenn es doch zur Zerstörung von Tempeln und Statuen kam, so waren dies stets regional begrenzte Übergriffe. Theodosius ging in die Geschichte ein, weil er der letzte Kaiser war, der (wie im Film richtig gesagt) noch über ein ungeteiltes Römisches Reich herrschte (und weil er 393 die Olympischen Spiele verboten hat - erst 1896 fanden sie wieder statt).

* Das Serapeion war ein Tempel des Gottes Serapis, in dem es eine kleine zusätzliche Bibliothek gab. Es wurde inzwischen ausgegraben und sah (wie auch die große Bibliothek) in Wirklichkeit anders aus als im Film.

* Wie im Film richtig dargestellt, kam es 391 in Alexandria zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Heiden und Christen, in deren Verlauf sich die Heiden im Serapeion verschanzten. Der Kaiser verzieh die zahlreichen Morde auf beiden Seiten - ordnete aber die Zerstörung des Serapeions an. Bei dieser Gelegenheit zerstörten die christlichen Bischöfe auch andere heidnische Tempel. Ob dies auch das Ende der berühmten Bibliothek von Alexandria war (wie im Film gezeigt), ist nicht belegt. Die im Film gezeigte Nutzung heidnischer Gebäude als christliche Kirchen hat es tatsächlich gegeben - allerdings wohl nur bei Tempeln, nicht auch bei Bibliotheken.

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