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Geheimnisvolle Geschichte 1:
Ramses - Geheimnisse eines Herrschers

Originaltitel:Rameses: Wrath of God or Man?
Premiere im Jahr:2004
Regie:Dokumentation
Handlung spielt im Jahr:1249 vor Christus
Stand:04.04.2010
Crew:Regie ... Tom Pollock

Drehbuch ... Shaun Trevisick

Produzenten ... Shaun Trevisick, Simon Young

Schnitt (Film Editing) ... Gregers Sall

Kostüme ... Jane Wrigley

Musik ... Stephen Endelman

Filmgesellschaft:Atlantic Productions
Discovery Channel
Land:England
Geheimnisvolle Geschichte 1:
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Bewertung:
Max. 5 Sterne
- ok

 

Dokumentation, 100 Minuten
mit aufwändigen Spielszenen und Computer-Animationen

deutsche Version: 90 Minuten
deutsche Erstsendung: 24. Februar 2008 (Super RTL)



Kurzinhalt:
Ramses und der Exodus des Volkes Israel aus Ägypten



Kritik

Minus: Der Zuschauer erfährt nicht viel Neues über den großen Pharao. Weil der Film sich trotz der langen Regierungszeit des Ramses (67 Jahre!) nur auf diese eine biblische Geschichte beschränkt (bestenfalls eine Annekdote im Vergleich mit dem Lebenswerk von Ramses II). Und weil der Film zu viel Zeit für die Untersuchung der Mumie verwendet (25 Minuten!).

Plus: Trotz allem kurzweilig. Am Ende machen Kriminaltechniker eine Gesichts-Rekonstruktion des alten Pharao. Der Zuschauer kann Ramses in die Augen sehen. Wow!






Fakten:

* Die wesentlich kürzere Doku Vorchristliche Schlachten - Moses' Auszug aus Ägypten (2008) beschäftigt sich mit demselben Thema (und kommt zu interessanteren Ergebnissen).

* Ramses II ist der Pharao der Superlative: Er wurde 90 Jahre alt (in einer Zeit wohlgemerkt, in der die meisten gerade einmal 40 Jahre alt wurden), er kämpfte in mehr Schlachten als alle Herrscher vor oder nach ihm, und er regierte rekordverdächtige 67 Jahre und hat sein Land tiefgreifend verändert.






ausführliche Inhaltsangabe:
SPOILER Warnung!


Der Film beginnt in Grab KV5 in Theben. Man vermutet, dass eine der dort gefundenen Mumien Ramses' früh verstorbener Thronfolger Amun He Khepeshef sein könnte, der erste Sohn seiner Hauptfrau Nefertari. Die Gebeine sollen von britischen Kriminaltechnikern untersucht werden. Bei dieser Gelegenheit bekommt der Zuschauer auch das riesige, der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Familiengrab zu sehen, in dem Ramses 20 (!) seiner Söhne bestattet ließ.

Derweil sich nun also alle möglichen Labore eingehend mit dem Schädel von Ramses' Sohn befassen, geht der Film auf den ersten dokumentierten Friedensvertrag der Geschichte ein, der von Ramses nach der Schlacht bei Kadesch (1274 v. Chr.) mit den Hethitern geschlossen wurde. Dies wird jedoch nur erwähnt, um die Frage nach der Quellenlage zu beleuchten. Bekanntlich gibt es keine bildlichen oder schriftlichen Darstellungen des Exodus im antiken Ägypten. Skeptiker meinen daher, den Exodus hätte es gar nicht gegeben. Allerdings fragt man im Film zu Recht, ob die ägyptische Propaganda über die peinliche und erfolgreiche Revolte israelischer Sklaven berichtet hätte. Immerhin hat sie ja auch den annehmbaren Friedensvertrag von Kadesch völlig umgedeutet - nämlich als glanzvollen militärischen Sieg.

Leider versäumt der Film hier, den entscheidenen Punkt herauszustellen: Die Verfälschung historischer Fakten war keine Propaganda, sondern geradezu religiöse Pflicht. Schließlich war der Pharao in der Staatsreligion nicht nur Herrscher Ägyptens, sondern der ganzen Welt. Als solcher konnte er natürlich keine Fehler machen - und schon gar nicht eine Schlacht verlieren oder etwa den Forderungen aufmüpfiger Sklaven nachgeben. Beides konnte öffentlich nicht zugegeben werden, denn dann wäre der Pharao ja kein Gott mehr.
Dieses Dogma brachte die Herrscher im Laufe der Jahrhunderte zunehmend in Bedrängnis, da ja alle Irrtümer, alle diplomatischen und militärischen Fehlschläge konsequent verheimlicht werden mussten. Doch, wie gesagt, auf diesen interesanten Aspekt geht der Film leider nicht ein.

Stattdessen nimmt man uns mit nach Paramesse, der schon in der Bibel erwähnten Stadt, in der die Hebräer Sklavendienst leisten mussten - und schließlich sogar ihre Neugeborenen getötet werden sollten, da sie zu zahlreich wurden. Dass die Hebräer wirklich in Ägypten waren, darauf verweist die berühmte Israel-Stele (das einzige schriftliche Zeugnis des alten Ägyptens, in dem das Volk Israel erwähnt wird).

Der Zuschauer bekommt eine sehr detailreiche Computer-Rekonstruktion der Stadt zu sehen, die allerdings ein bisschen wie aus einem Computerspiel wirkt und den etwas dünnen archäologischen Befund sehr phantasievoll ergänzt.

In der Bibel beginnt in Paramesse die Geschichte des Moses, der auf dem Nil ausgesetzt wurde, um der Kindstötung zu entgehen. Moses, stellt der Film richtig fest, ist historisch nicht belegt. Er könnte nun eine Legende sein, oder die Verschmelzung mehrerer Legenden - oder gar einer der vielen Söhne des Ramses. Ein wenig bekannter, wenig bedeutender Prinz, der in Paramesse seine Residenz hatte? Im Film kommt nun die gewagte These, dass dieser Prinz ein Monotheist gewesen sein könnte, ein Anhänger des Aton, des Sonnengottes des Ketzerkönigs Echnaton (um 1350 v. Chr).
Trotz aller Verfolgung konnte dieser Kult in vielen Teilen Ägyptens überleben - und Spuren ritueller Handlungen und kultischer Gesänge zur Verehrung des Aton lassen sich sogar im alten Testament nachweisen.

In diesem Zusammenhang zeigen uns die Autoren des Films das Katharinenkloster am Berge Sinai, das an der Stelle gebaut worden sein soll, an der Moses den brennenden Busch sah. Es stammt aus dem 4. Jahrhundert nach Christus und ist das älteste Kloster der Welt. In seinem Hof steht tatsächlich ein Dornbusch, dessen Standort bis ins 4. Jahrhundert zurück dokumentiert ist - aber natürlich nicht bis ins 13. Jh. vor Christus. Dennoch verwenden die Autoren viel Mühe darauf, Moses als einen ägyptischen Prinzen darzustellen, der dem Monotheismus anhing und daher die versklavten, ebenfalls monotheistischen Hebräer in die Freiheit führen wollte.

Wesentlich plausibler sind die Erklärungen, die man gegen Ende für verschiedene in der Bibel erwähnte Ereignisse anbietet: Die zehn Plagen Ägyptens, nach denen Pharao das Volk Israel ziehen liess, werden schlüssig und belegbar als eine dramatische Kettenreaktion von Naturkatastrophen in Folge eines außergewöhnlich hohen Nilhochwassers dargestellt. Damit ließe sich nur eine einzige Plage naturwissenschaftlich nicht erklären - nämlich die zehnte, der Tod der Kinder Ägyptens. Doch darauf kommt der Film später noch zurück.

Ein weiteres Ereignis ist die Flucht durch das geteilte Rote Meer. In der Bibel führt Moses sein Volk hindurch und hinter ihnen schließen sich die Wassermassen wieder und verschlingen die verfolgende Armee der Ägypter und den Pharao.
Da nun Ramses ja bekanntermaßen 90 Jahre alt wurde und nicht in den Fluten des Roten Meeres ertrunken ist, kann das nachweislich nicht stimmen. Der Film entwickelt daher die einleuchtende These, dass Ramses, zu diesem Zeitpunkt schon über 30 Jahre auf dem Thron, das anstrengende Alltagsgeschäft seinem ältesten Sohn Amun He überliess, so wie es bis heute viele Königshäuser tun. Dann hätte nicht er, sondern der Thronfolger mit den Streitwagen die fliehenden Sklaven verfolgt. Der Pharao, als allmächtiger Herrscher und Gott, hätte sich, auch wenn er viel jünger gewesen wäre, wohl auch kaum selbst aufgemacht, entlaufene Sklaven wieder einzufangen.

Was nun das Rote Meer selbst angeht, verweist der Film dankenswerterweise auf einen alten Übersetzungsfehler: In den alten Original-Schriftrollen ist nämlich gar nicht vom "Roten Meer" die Rede, sondern einfach nur von "Marschland". Marsch findet man in Ägypten im Nildelta - eben da, wo auch Paramesse liegt. Es war also kein Rotes Meer, das über den Ägyptern zusammenschlug - sondern die schweren Streitwagen blieben ganz einfach im Sumpf stecken.

Im Film schließt sich an dieser Stelle der Kreis, denn jetzt zeigt man die Ergebnisse der Untersuchungen des Schädels aus Grab KV 5. Tatsächlich ist der Tote mit hoher Wahrscheinlichkeit Ramses ältester Sohn - und er weist eine schwere Verletzung am Hinterkopf auf, an der er wohl gestorben ist. Es ist durchaus möglich, dass er vom Streitwagen stürzte und auf einen Stein aufschlug - oder dass sein Streitwagen feststeckte und er im Handgemenge mit den Hebräern erschlagen wurde - und mit ihm viele andere ägyptische Söhne, die in der Armee dienten. Diesen Tod deutete die Bibel dann möglicherweise in die zehnte Plage um.

So fügt der Film (mit sanfter Gewalt) am Ende alle Puzzleteile zusammen und beendet seine Ausführungen mit den von den Kriminaltechnikern rekonstruierten Gesichtern von Ramses und seinem Sohn Amun He Khepeshef.

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